Tauchen

Rettungstaucher bei der Wasserwacht – das hört sich nach Action an und nach Abenteuer! Wagemutige, die sich furchtlos in die Fluten stürzen, um Leben zu retten. Die Realität sieht anders aus und der Weg zum Rettungstaucher ist lang und beschwerlich.

Rettungsschwimmabzeichen in Silber, Sanitätsausbildung San A und San B, Funkeinweisung sowie eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung nach GUV 31: das sind Grundvoraussetzungen die benötigt werden, um mit der Ausbildung zu beginnen. Jetzt folgt die in der APV detailliert aufgeführte Ausbildung, die in der Regel zwei Jahre dauert.

Neben den Grundlagen und Gesetzen der Tauchphysik ist die Tauchmedizin ein wichtiger Teil der theoretischen Ausbildung. Wie reagiert der menschliche Körper unter Wasser? Welche Einflüsse haben Temperatur, Druck und die eingeatmeten Gase? Wieso ändern sich optische und akustische Eindrücke? Hyperventilation, Panik, Dekompressionskrankheit, was ist das, wie kann es vermieden werden? Was ist zu tun, wenn ein Tauchunfall passiert ist? Alles Fragen, die im theoretischen Unterricht geklärt werden müssen.

Parallel dazu wird die praktische Ausbildung begonnen. Nach einer Einführung in Aufbau, Funktion und Eigenschaften der notwendigen Ausrüstung beginnt die praktische Ausbildung im Schwimmbad. Wie atmet es sich unter Wasser, was muss ich tun, wenn die Maske voll Wasser gelaufen ist? Langsam tasten sich die Neuen an die gestellten Aufgaben heran. Schnell stellen auch Unterwasserkommunikation sowie Geben und Entgegennehmen von Leinensignalen kein Problem mehr dar. Sobald die Technik im Schwimmbad beherrscht wird und sich die nötige Sicherheit unter Wasser eingestellt hat, geht es ins Freiwasser.

Der erste Freiwassertauchgang ist immer etwas Besonderes. Die Bedingungen in unseren heimischen Gewässern entsprechen nicht wirklich dem, was man in Filmen über Ägypten oder die Malediven gesehen hat. Das Wasser ist kalt, die Sicht ist schlecht, unter einem die unendliche Tiefe. Fische sieht man selten, auch wenn welche da sind, hat man anfangs soviel mit sich selbst zu tun, dass die Umgebung fast nicht wahrgenommen wird. Mit jedem weiteren Tauchgang sinkt die Anspannung und das Selbstbewusstsein steigt. Man erobert einen Lebensraum, für den der Mensch eigentlich nicht geschaffen ist.

Umweltschutz bekommt eine völlig neue Bedeutung, wenn man einen verwesenden Karpfen mit dickem Geschwür am Kopf am Boden liegen sieht oder achtlos ins Wasser geworfene Plastiktüten oder Bierdosen aufsammelt.

Jetzt werden zunehmend Aufgaben wie Selbstrettung oder Partnerrettung geübt. Unterwasserarbeiten, Suchen von Objekten oder Personen von Land oder vom Boot aus folgen. Allmählich steigen die Anforderungen. Tauchgänge in strömenden Gewässern, unter Eis, nachts. Der „Neue“ ist längst ein Teil des Teams geworden. Ein Team, das sich gegenseitig unterstützt und die gestellten Aufgaben gemeinsam löst.

Die Prüfung zum Signalmann stellt den Einstieg in den Ernst des Lebens dar. Ab jetzt kann der Rettungstaucher in spe zumindest vom Land aus an realen Einsätzen teilnehmen. Flaschenfüllen am Kompressor, Klarmachen der Motorboote, Wartung und Reinigung von Ausrüstung, alles Aufgaben, die „nebenbei“ erledigt werden müssen.

Der Tag der Entscheidung rückt näher; auf Landes- oder Bundesebene findet, nachdem alle erforderlichen Unterlagen eingegangen sind, eine zweitägige Prüfung statt, bei der sowohl die theoretischen Kenntnisse als auch praktischen Fertigkeiten demonstriert werden müssen. Entsprechend vorbereitet stellt diese anspruchsvolle Prüfung jedoch kein wirkliches Problem dar.

Jetzt endlich kann der neue Rettungstaucher im Ernstfall auch ins Wasser. Von der verlorenen Brille, dem abgerissenen Außenbordmotor, ins Wasser gefahrenen Fahrzeugen bis zur untergegangenen Yacht oder dem aufgelaufenen Frachtschiff reicht das Spektrum. Rettung von Personen, die z.B. ins Eis eingebrochen sind oder die Suche und Bergung von Ertrunkenen oder Vermissten sind Aufgaben, die auch psychisch enorme Anforderungen an die Taucher stellen.

Mit der erfolgreich abgelegten Prüfung ist der Lernprozess jedoch noch lange nicht beendet. Jährlich Weiterbildungsmaßnahmen sowie die Einarbeitung in Sonderaufgaben, wie Rettungsmaßnahmen vom Hubschrauber aus oder die Ausbildung zum Tauchausbilder, sind Möglichkeiten, den eigenen Horizont zu erweitern, um jederzeit im Notfalle hundertprozentig einsatzbereit zu sein.

Ansprechpartner: Leiter Wasserrettungs- dienst

Reiner Gerbes

Reiner Gerbes
Brucknerstr. 4
67354 Römerberg

Tel.: 06232/850677 (priv.)
06324/96990-315 (dstl.)

Email: r.gerbes@online.de

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